12. August 2009

Kennt Ihr


Schon zu Schulzeiten wurde ich auf die Sprache aufmerksam, bin aber irgendwie dann doch wieder darüber hinweg gekommen. Vermutlich auch, weil es in unserer Gegend keine Möglichkeit gab/gibt, sie zu erlernen.

Dann ist da jedoch die Frage, ob so ein künstliches Sprachgebilde überhaupt was bringt. Sicher, Esperanto gibt es schon seit 100 Jahren - und? Alle englisch-sprachigen Länder werden "sowas" sowieso nicht lernen (unterstelle ich jetzt mal). Und wir Europäer? Warum sollen wir unsere gewachsenen Sprachen gegen eine erschaffene eintauschen? Ich könnte mir vorstellen, daß sie vieles was in unseren Sprachen gewachsen ist, gar nicht in dieser Kunstsprache ausdrücken läßt.

Geht nicht auch Kultur damit verloren? Jede Sprache hat ganz besondere Eigenheiten und ist doch eng mit den Landleuten verbunden.

Angeblich sollen ja Kongresse, Vorträge usw. "häufig" in Esperanto verfaßt sein. Bisher ist mir noch NIE etwas in Esperanto über den Weg gelaufen.

Vor 20-25 Jahren war ich noch ganz begeistert von dieser Möglichkeit, sich international verständigen zu können. Heute stehe ich dem eher kritisch gegenüber.

Im Oktober gibt es an unserer VHS einen Vortrag dazu.
Ich glaube, das höre ich mir mal an.

Welche Meinung/Erfahrung habt Ihr so zu/mit Esperanto?


Kommentare:

  1. Naja, ich hatte früher mal einen Bekannten, der hat Esperanto gelernt, weil das so eine Gemeinschaft sei und man dann z. B. andere Esperantolerner in aller Welt besuchen (und sich mit ihnen verständigen) könnte. Ich weiß aber nicht, was daraus geworden ist.
    Die Idee, sich über eine Kunstsprache, die nach ganz logischen Kriterien aufgebaut ist, verständigen zu können, sieht auf den ersten Blick zwar praktisch aus, die Sprache kann aber nicht die die emotionale Qualität und den gleichen Funktionsumfang erreichen wie eine gewachsene Sprache, solange sie niemand als Muttersprache lernt und solange es keine größere Gruppe gibt, die sich nur in dieser Sprache verständigt. Und gibt es etwa Literatur in Esperanto? Liebesbriefe in Esperanto? Babysprache in Esperanto? Jugendslang in Esperanto? All das würde zu einer echten Sprache dazugehören. Der Vortrag ist bestimmt sehr interessant - mich würde ja mal interessieren, ob Esperanto irgendwo tatsächlich zur Verständigung gesprochen wird (also nicht nur im Esperanto-Sprachunterricht). Von den erwähnten Kongressen hab ich nämlich auch noch nie was gehört...

    viele Grüße, Lucy

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  2. Hallo Gabi,

    ich kenne Esperanto und habe auch 4 Jahre lang gelernt im Gymnasium. Die Idee finde ich gut eine Sprache zu lernen was ganz einfach ist mit einfache Gramatik. Nur est ist schade, dass nicht so verbreitet ist trotz 100 Jahre. Englich und Deutsch werden die wichtigste sprachen bleiben!

    LG, Melanie

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  3. Zu dem Beitrag kann man eine Menge sagen.

    Die Frage künstlich oder nicht, stellt sich für Linguisten nicht. Letztendlich ist jede Sprache von Menschen gemacht worden.

    Esperanto hat als einziges Plansprachenprojekt den Schreibtisch des Autors verlassen und ist zu einer lebenden Sprache geworden, die sich seither weiterentwickelt.

    Bücher, Zeitschriften und CDs erscheinen ständig. Sicherlich, nicht so viele wie in anderen, großen Nationalsprachen. Auch eine Wikipedia mit über 110.000 Artikeln gibt es. Das ist für eine Spürechergemeinschaft von geschätzen 100.000 - 500.000 Menschen beachtlich.

    Esperanto-Veranstaltungen gibt es jedes Jahr reichlich. Beispielsweise den Weltkongress in diesem Jahr in Bialystok (Ostpolen) oder einen Jugendkongress in Liberec (Tschechien).
    Hier mal ein Link zu einem Verzeichnis, das sicherlich auch nicht komplett ist: http://www.esperanto.hu/eventoj/2009.htm

    Ein Plansprache vermittelt zweifelsfrei kulturelle Güter und Werte, aber natürlich ist es so, dass jemand, der sich intensiv mit beispielsweise der ungarischen Kultur beschäftigen will, ungarisch lernen sollte. Aber in Esperanto gibt es viel übersetzte Literatur aus anderen Sprachen. Eine der größten Esperanto-Bibliotheken ist in Aalen (BW).

    Für die, die einen kurzen klanglichen Eindruck haben wollen:
    http://www.youtube.com/watch?v=rwqJITm5xrM

    Ich bin für weitere Fragen offen: Hoketo@web.de

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  4. Bevor Sie Mutmaßungen über die Lebendigkeit und Sinnhaftigkeit des Esperanto in die Welt setzen, hätten Sie lieber etwas mehr recherchieren sollen. Dabei ist das gar nicht schwer, z. B. per Suchmaschine.

    Ich nutze Esperanto seit 32 Jahren und finde, sie klingt wie eine europäische Hochsprache. Das einzig "künstliche" an Esperanto ist, dass es in der (europäischen) Grammatik keine Ausnahmen von den Regeln gibt und keinen Ballast, der die Sprache nur unnötig schwer zu lernen machen würde und nicht zur Ausdrucksfähigkeit beitragen könnte. Esperanto ist in etlichen Formen eindeutiger als "gewachsene" Sprachen.

    Übrigens: Esperanto wird dank seiner vielfältigen Anwendungen seit mehr als 120 Jahren auch fortentwickelt und ist somit "gewachsen".

    Esperanto will keine Nationalsprachen ersetzen oder verdrängen. Es ist halt einfacher nur eine Fremdsprache für alle Länder zu lernen - dann ist Esperanto noch deutlich leichter zu lernen als z. B. Englisch.

    Ist es nicht gerechter, wenn 100 % der Menschen eine neutrale Sprache (Esperanto gehört keinem Land allein) lernen und sich damit überall verständigen können, als wenn 95 % der Menschen Englisch lernen und es nicht überall verwenden können?

    Esperantosprecher findet man nicht per Zufall. Aber wenn man die Infrastruktur der Esperantokultur nutzt, dann kann man mit Esperanto leichter Freunde in aller Welt finden: Esperanto lernt, wer Freundschaften im Ausland finden möchte. Daher bringen Esperantosprecher einander Vertrauensvorschuss entgegen. Wie soll ich wissen, dass der Engländer, den ich in Großbritannien antreffe, mit mir reden will? Soll heißen: Es kommt nicht unbedingt auf die Zahl der Sprecher einer Sprache an.

    Esperanto bereichert mein Leben mehr als mein mageres Englisch oder Französisch. Ich möchte es nicht mehr missen.

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